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Walt Whitmans Grashalme ist das grundlegende Lyrikprojekt der amerikanischen Renaissance. Es erschien erstmals 1855 in Brooklyn als ein schmaler, anonym ausgegebener Band, den Whitman größtenteils selbst setzte und finanzierte. Als Werk eines Journalisten und Setzers, der zum Dichter wurde, entstand es inmitten der Turbulenzen des politischen Lebens der USA in der Mitte des 19. Jahrhunderts, der Konflikte zwischen Nord und Süd und wachsender demokratischer Bestrebungen. Whitman überarbeitete, erweiterte und reorganisierte das Buch über zahlreiche Ausgaben hinweg während seines ganzen Lebens und behandelte es weniger als eine einzelne statische Sammlung denn als eine sich entwickelnde literarische Verkörperung einer entstehenden Nation und seiner eigenen künstlerischen wie bürgerschaftlichen Identität. Das Werk ist geprägt von seiner revolutionären freien Versform, weitreichenden Katalogen und prophetischem Ton; es schafft eine Poetik, die groß genug ist, um körperliche Erfahrung, Arbeit, Sexualität, Spiritualität und öffentliches Leben in einem fortlaufenden Gesang des Ichs und des Kollektivs zu vereinen. Gedichte wie "One's-Self I Sing" formulieren eine demokratische Ästhetik, die das Individuum zu ehren sucht, während sie zugleich im Kollektiv spricht. Maritime und historische Stücke stellen das Buch selbst als ein Gefäß dar, das amerikanische Rede und Empfindung hinaus in die Welt trägt. Grashalme veränderte grundlegend die Möglichkeiten der modernen Dichtung — Verszeile, Wortwahl und Haltung — übte andauernden Einfluss auf die amerikanische und weltweite literarische Moderne aus und bleibt ein zentrales Werk in Debatten über Demokratie, Verkörperung, nationale Identität und die Ethik poetischer Darstellung.