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William Shakespeares Richard II ist ein englisches Geschichtsdrama, das Mitte der 1590er Jahre entstanden und erstmals 1597 in einem Quarto veröffentlicht wurde; später erschien es im First Folio von 1623. In der Regierungszeit Elisabeths I. verfasst, dramatisiert es die letzten Jahre des ausgehenden 14. Jahrhunderts und die politische Krise, die in der Absetzung Richards II. durch Heinrich Bolingbroke gipfelt. Auf Chroniken — vor allem Raphael Holinshed — gestützt, gehört das Stück zu Shakespeares nachhaltiger Auseinandersetzung mit englischer Dynastiegeschichte und der brisanten Frage legitimer Herrschaft in einer Kultur, die für die Gefahren von Thronfolgekonflikten und der öffentlichen Darstellung von Monarchen sensibilisiert war.
Das Drama zeichnet sich durch feierliche Rhetorik und eine eindringliche Untersuchung des Königtums als sowohl sakrales Amt als auch inszenierte Autorität aus. Richards Vertrauen auf das Gottesgnadentum und auf Prachtentfaltung prallt auf die praktischen Erfordernisse der Regierung und eine aufkommende Sprache politischer Notwendigkeit, während die konkurrierenden Ansprüche von Ehre, Recht und Gewalt die Instabilität eines Reiches offenbaren, in dem Legitimität ebenso verhandelt wie ergriffen werden kann. Mit seinem beständigen lyrischen Ton, seiner Aufmerksamkeit für Ritual und Schau und dem tragischen Porträt eines Herrschers, der zu spät den Unterschied zwischen Krone und eigenem Selbst erkennt, hat Richard II nachhaltigen Einfluss auf spätere politische Dramen sowie auf literarische Vorstellungen von Absetzung, nationaler Geschichte und den moralischen Kosten politischen Wandels ausgeübt.