„Heinrich V.“ ist ein Geschichtsdrama von William Shakespeare, in frühneuenglischer Sprache verfasst und allgemein um 1599 datiert, gegen Ende der Regierungszeit Elisabeth I. Es gehört zur zweiten Tetralogie der englischen Historiendramen (nach Richard II. und den beiden Teilen von Heinrich IV.) und dramatisiert die Herrschaft König Heinrichs V., mit besonderem Schwerpunkt auf dem Feldzug von 1415 in Frankreich. Der berühmte Chor — beginnend mit „O for a Muse of fire“ und der Beschwörung des „wooden O“ — kennzeichnet die ursprünglichen Theaterbedingungen und die Publikationsgeschichte des Stücks, das in frühen Quartos zirkulierte und später in der First Folio (1623) festgehalten wurde; dies spiegelt sowohl die materiellen Grenzen der Bühne als auch das damalige Interesse an nationaler Geschichte als bürgerlichem Spektakel wider. Das Stück untersucht die Entstehung politischer Legitimität, setzt Heinrichs Anspruch auf Frankreich in einen Rahmen aus kirchlichen Argumenten, juristischer Rhetorik und kalkulierter Staatskunst und fordert das Publikum wiederholt auf, das nachzuliefern, was das Theater nicht zeigen kann: gewaltige Heere, langwierige Kriege und das moralische Gewicht souveräner Entscheidungen. Shakespeare balanciert heroische Redekunst und patriotische Mythenbildung mit einer ethischen Prüfung — von der Manipulation des Rates bis zu den menschlichen Kosten hinter triumphalen Narrativen — und erweitert das soziale Panorama durch Szenen, die Hof, Feldlager und einfache Soldaten gegenüberstellen. Seine einflussreiche Darstellung charismatischer Königsherrschaft — besonders die Rhetorik des St.-Crispins-Tags und die Lenkung der Zuschauerphantasie durch den Chor — hat „Heinrich V.“ zu einem zentralen Text in Debatten über Nationalismus, Propaganda und die prekäre Nähe zwischen inspirierender Führung und ideologischer Inszenierung gemacht.