„Renascence und andere Gedichte“ ist die Debütsammlung der amerikanischen Dichterin Edna St. Vincent Millay, erstmals erschienen in den USA im Jahr 1917. Millay ging aus der kulturellen Welt des späten 19. Jahrhunderts an der Küste Maines hervor und fand Anschluss an die literarischen Netzwerke des frühen 20. Jahrhunderts in New York, wo Zeitschriftenveröffentlichungen, öffentliche Rezitationen und Preiskultur maßgeblich zur Herausbildung von Reputation beitrugen. Das Titelgedicht „Renascence“, das bereits vor Erscheinen des Bandes kursierte und Aufmerksamkeit erregte, bildet den Angelpunkt der Sammlung und steht beispielhaft für jenen Übergang in der anglophonen Dichtung, in dem überlieferte lyrische Formen und religiöse Diktion neben einer gesteigerten psychologischen Intensität und philosophischen Dringlichkeit der Moderne koexistierten. Im gesamten Band verbindet Millay eine direkte, sprechende Stimme mit formaler, kontrollierter Lyrik und inszeniert inneres Erleben als dramatisches Ereignis, in dem Wahrnehmung über ihre gewohnten Grenzen hinauswächst. „Renascence“ bewegt sich von einer scheinbar schlichten Landschaftsschilderung zu einer überwältigenden Begegnung mit dem Unendlichen, moralischer Einsicht und empathischem Leiden, um schließlich zu einer neu geborenen Wahrnehmung der sinnlichen und geistigen Strahlkraft der Welt zu gelangen; andere Gedichte führen diese Themen in Meditationen über Abwesenheit, Begehren und die von Räumen und Dingen ausgehende, gespenstische Intimität weiter. Die Wirkung der Sammlung besteht darin zu zeigen, dass eine junge amerikanische Dichterin traditionelle rhetorische Erhabenheit beherrschen und zugleich eine deutlich moderne Subjektivität formulieren konnte – zugleich intensiv persönlich und ethisch weitreichend – wodurch Millays frühe Bekanntheit gesichert und das öffentliche Interesse an lyrischer Dichtung in den USA in den Zwischenkriegsjahren erweitert wurde.