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Das erste Elegiebuch Propertius', seit der Antike konventionell als Cynthia Monobiblos bekannt, entstand in der späten Römischen Republik/der frühen augusteischen Zeit, als lateinische Dichter die griechische Liebeselegie zu einer ausdrücklich römischen, buchgeordneten literarischen Form umgestalteten. Sextus Propertius, ein umbrischer Dichter aus dem Umkreis Maecenas', schreibt in wohlgeformten lateinischen elegischen Distichen und stellt diese Debütsammlung zugleich als öffentlichen Eintritt in die römische literarische Elite und als höchst persönliche Niederschrift erotischer Verstrickungen dar. Das Werk wird meist in die 20er v. Chr. datiert, kurz vor oder um die Konsolidierung der augustäischen Kulturförderung, und nimmt an der breiteren Auseinandersetzung jener Zeit zwischen privater Erfahrung und den ideologischen Zwängen der neuen Ordnung teil. Die Sammlung wird durch die Gestalt der Cynthia zusammengehalten, der dominanten Geliebten und poetischen Katalysatorin des Dichters, deren Name zugleich auf eine konkrete Geliebte wie auf eine konstruierte literarische Persona verweist. In den Gedichten dramatisiert Propertius die Liebe als servitium und furor, inszeniert Eifersucht, Ausschluss, Bitten und Selbstvorwürfe in einer Rhetorik, die zwischen Intimität und Performance wechselt; mythologische Exempla und gelehrte Anspielungen erheben die persönliche Klage zu einer Wettbewerbsaufführung von Gelehrsamkeit und kunstvoller Gestaltung. Die Gedichte stellen wiederholt die vom Dichter gewählte 'Militia' der Liebe den öffentlichen Ambitionen von Reisen, Krieg und bürgerlichem Aufstieg gegenüber und schärfen so eine elegische Haltung, die später für die römische Erotiklyrik zentral wird. Als frühes und einflussreiches Meisterwerk der lateinischen Liebeselegie hat Buch 1 die Maßstäbe für das selbstbewusste Buchkonzept des Genres, seine Verschmelzung von Autobiographie und Fiktion sowie das dauerhafte Modell des Dichter-Liebenden gesetzt, dessen Identität durch Begehren und Gesang geformt — und aufgelöst — wird.