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Voltaires Candide, erstmals 1759 veröffentlicht, entstand in der Aufklärung, einer Epoche, die von Denkbewegungen geprägt war, die Vernunft, individuelle Freiheit und Skepsis gegenüber etablierten Autoritäten, insbesondere Kirche und Monarchie, betonten. Als einer der bedeutendsten französischen Philosophen, Satiriker und Fürsprecher bürgerlicher Freiheiten nutzte Voltaire die Novelle, um den vorherrschenden philosophischen Optimismus — besonders die mit dem deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz verbundenen Ideen — zu kritisieren. Der Siebenjährige Krieg und das verheerende Erdbeben von Lissabon 1755, Ereignisse, die Europa politisch und moralisch erschütterten, beeinflussten Ton und Argumentation des Werks stark und trieben Voltaires Untersuchung von menschlichem Leiden und der Natur des Bösen in einer angeblich rationalen und geordneten Welt voran. Thematisch verbindet Candide scharfe Satire mit philosophischer Erkundung; mit Witz, Ironie und Übertreibung stellt die Erzählung Vorstellungen vorbestimmter Harmonie in Frage und hinterfragt die Autorität von Institutionen. Ihr beißender Humor und die provozierende Infragestellung metaphysischer Gewissheiten fanden breite Resonanz und festigten Voltaires Ruf als Meister des kritischen Geistes der Aufklärung. Trotz früher Zensur und moralischer Empörung verbreitete sich das Werk rasch in ganz Europa und beeinflusste spätere satirische Literatur und philosophisches Denken. Voltaires eigene Biografie — ein Schriftsteller, der wegen seiner unerschrockenen Meinungsäußerungen wiederholt ins Exil geschickt oder inhaftiert wurde — vertieft die Bedeutung der Erzählung als persönliche und politische Stellungnahme gegen Dogmatismus, Grausamkeit und intellektuelle Selbstzufriedenheit.