About this audiobook
Abraham Lincolns zweite Antrittsrede, gehalten am 4. März 1865, steht an der Kreuzung einer vom Bürgerkrieg erschöpften Nation und eines Präsidenten, dessen Amtszeit von Emanzipation und verfassungsrechtlicher Krise geprägt war. Lincoln, der sechzehnte Präsident, leitete eine Republik, die seit 1861 durch regionale Konflikte zerrissen war; seine Sprache – klar, wohlüberlegt und von biblischer Kadenz durchzogen – spiegelt die öffentliche Rhetorik der Zeit und die demokratisierende Wirkung der englischsprachigen Druckkultur wider. Für die feierliche Erneuerung des Amtseids im Kapitol bestimmt, wurde die Rede gehalten, während die letzten Feldzüge des Krieges die politische Landschaft in Richtung Versöhnung und Wiederaufbau formten. Die einleitenden und abschließenden Rahmungen – Pflicht, göttliche Vorsehung und nationale Heilung – ordnen die Ansprache in eine Tradition amerikanischer politischer Redekunst ein, die staatsbürgerliche Mahnung mit moralischer Argumentation verbindet. Der historische Kontext – die Sklaverei als zentrales, explosives Thema; Emanzipationspolitiken, die von Entscheidungsträgern diskutiert wurden; und die immensen menschlichen und materiellen Verluste des Krieges – prägt Lincolns Einschätzung, dass der Konflikt zum Teil aus der Sklaverei entstand und dass sein Ende durch Gerechtigkeit und Barmherzigkeit statt durch Rache gekennzeichnet sein sollte.