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D. H. Lawrences Söhne und Liebhaber (1913) ist ein englischer Roman, der auf dem Höhepunkt des britischen literarischen Modernismus des frühen 20. Jahrhunderts entstand und nach früheren seriellen Erscheinungen erstmals in Buchform veröffentlicht wurde. Lawrence, ein aus Nottinghamshire stammender Schriftsteller aus einer Bergbaugemeinde, griff direkt auf die soziale und industrielle Landschaft der englischen Midlands zurück, wie sie durch den spätviktorianischen und edwardianischen Bergbaukapitalismus umgestaltet wurde. Die eingangs detaillierte Darstellung von Grubendörfern, Werkswohnungen und der Hauswirtschaft in einem Bergmannshaushalt verortet die Erzählung in einem historisch spezifischen Arbeitermilieu und zeichnet zugleich die kulturellen Spannungen zwischen Aufstiegsambitionen, Respektabilität und den materiellen Zwängen des Industriealltags nach.
Im Mittelpunkt steht die Familie Morel; der Roman entwickelt einen einflussreichen psychologischen Realismus durch seine Untersuchung von Ehe, Mutterschaft und den prägenden Zwängen von Klasse und Ort auf individuelles Begehren. Lawrence analysiert die emotionalen Triangulierungen zwischen Mutter, Söhnen und Vater und erforscht, wie Intimität besitzergreifend werden kann und wie erotische und kreative Energien durch familiäre Bindungen und soziale Umstände geformt, umgelenkt oder erstickt werden. Seine offene Behandlung von Sexualität, die Verschmelzung naturalistischer Sozialbeobachtung mit lyrischer Innerlichkeit und die anhaltende Konzentration auf das konfliktreiche Entstehen der Künstlerfigur trugen dazu bei, den Roman zu einem Meilenstein der modernen englischen Literatur und zu einem wichtigen Vorläufer späterer psychoanalytischer und feministischer Deutungen von Familie, Geschlecht und Identität zu machen.