Bereicherte Ausgabe. Wien 1921: Gesellschaftsroman über verarmte Bürgerschaft, Nachtklubs und soziales Engagement in düsterer Atmosphäre – LeinwanddebütBy Hugo Bettauer
Die freudlose Gasse zeichnet eine Wiener Seitenstraße der frühen Ersten Republik als Mikrokosmos der Nachkriegszeit: Hunger, Hyperinflation und Wohnungselend pressen Angestellte, Kriegsheimkehrer und Arbeiterinnen in ein Geflecht aus Schlangenstehen, Tauschhandel, Bordellen und Spekulation. In montierten Szenen verfolgt der Roman mehrere Lebensläufe, die zwischen moralischer Not und ökonomischer Gewalt oszillieren, und entlarvt die Profiteure einer zerklüfteten Klassengesellschaft. Bettauers Stil verbindet reportagehafte Nüchternheit, satirische Schärfe und sozialkritische Milieustudie; das Buch steht zwischen spätem Realismus und Neuer Sachlichkeit und reagiert direkt auf die österreichische Inflationskrise 1921–24. Hugo Bettauer, Journalist, Feuilletonist und Reformer, verstand den Roman als Instrument öffentlicher Aufklärung. Erfahrungen in Wien und New York, die Arbeit an liberalen Zeitschriften und der Erfolg seiner skandalumwitterten Gesellschaftsromane – etwa Die Stadt ohne Juden – schärften seinen Blick für Urbanität, Sexualmoral und soziale Heuchelei. Die freudlose Gasse ist eine engagierte Intervention in eine polarisierte Öffentlichkeit; die aggressive Gegenreaktion, die kurz darauf in seiner Ermordung gipfelte, belegt die Sprengkraft dieser Diagnose. Dieses Buch empfiehlt sich allen, die die soziale Mechanik der Zwischenkriegsmoderne verstehen wollen – von Literatur- und Filmstudierenden (auch mit Blick auf Pabsts Adaption) bis zu Leserinnen und Lesern mit Interesse an Gender-, Armuts- und Urbanitätsforschung. Präzise beobachtet, erzählerisch zugänglich und intellektuell fordernd.
Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.