1Kapitel 1: Das Rezept für eine Tragödie: Zutat Eins
11Kapitel 11: Eine Störung im Premium-Service
2Kapitel 2: Die Logistik eines Abendessens zu zweit
12Kapitel 12: Die Ästhetik des Unglücks
3Kapitel 3: Ein unerwarteter erster Bissen
13Kapitel 13: Das Steak und die staatliche Störung
4Kapitel 4: Die kulinarische Konsequenz
14Kapitel 14: Der leere Eimer und die Höflichkeitspflicht
5Kapitel 5: Der Teppich des schlechten Geschmacks Brandes drückte zu. Er hatte in den letzten Monaten viel über die Physiologie gelernt, aber er hätte nie gedacht, dass er das Wissen in einem solch unglamourösen Gerangel auf einem Fleckenteppich anwenden würde. Es war keine elegante Tötung, eher wie ein unzufriedener Gast, der sich über die Rechnung beschwerte, indem er dem Kellner die Luft abschnitt. Bernd Meiwes, der in der Dunkelheit panisch zuckte, empfand in diesem Moment weniger Todesangst als vielmehr eine tief sitzende, professionelle Enttäuschung. Die Logistik war ruiniert. Die Musik war verstummt. Das Messer war weg. Und das schlimmste Vergehen: Sein Gast war unhöflich. Er war nicht zur Kooperation bereit. Meiwes hatte noch nicht einmal das Amuse-Gueule serviert, und schon befand er sich in einem Kampf, der seinen sorgfältig geplanten Abend ruinierte. Die Kehle knirschte unter dem Druck von Brandes’ Unterarm. Meiwes brauchte eine Ablenkung. Seine Finger tasteten über den Boden. Sie fanden nicht das edle Küchenmesser, das er so lieblos weggeschleudert hatte, sondern etwas Kaltes, Rundes und Glasiges. Die Flasche Rotwein – ein Merlot von zweifelhafter Qualität, die er zur Beruhigung für Brandes bereitgestellt hatte, falls das Gespräch zu emotional würde. Mit letzter, verzweifelter Kraft riss Meiwes die Flasche hoch. Er zielte nicht, er schlug einfach in die Richtung, wo er Brandes' Kopf vermutete. Der Aufprall war laut und nicht ganz dort, wo er beabsichtigt war, aber er war effektiv genug. Brandes’ Würgegriff lockerte sich. Er zuckte zurück, während die zersplitterte Flasche ihren Inhalt freigab. Dunkler Merlot – oder war es Blut? – spritzte über den Teppich, vermischte sich mit Staub und dem Geruch von Angst. Brandes, der jetzt nach Essensresten und billigem Wein roch, sprang auf die Füße. Er hatte die Oberhand verloren, aber wenigstens hatte Meiwes seine Waffe verraten. Er sah den stämmigen Mann, der hustend und keuchend krabbelte, nicht in Richtung der Tür oder des Telefons, sondern in Richtung des Küchentresens. Meiwes war kein Mann, der aufgab, nur weil sein erster Gang misslungen war. Er würde improvisieren. Brandes spürte einen kalten Schauer über seinen Rücken laufen. Die Dunkelheit schien dicker zu werden, und doch sah er das glänzende, silberne Objekt auf dem Tresen, das Meiwes anstarrte: der Elektro-Fleischschneider. Nicht für Filets gedacht, sondern für große, gleichmäßige Scheiben von Sonntagsbraten. Eine massive, kreisförmige Klinge, die darauf wartete, ihre Aufgabe zu erfüllen. Meiwes, jetzt ganz in seinem Element des unhöflichen Gastgebers, zog sich am Tresen hoch. Er wusste, dass das Messer ein Anfängerfehler gewesen war, zu persönlich, zu mühsam. Der Fleischschneider war für größere Mengen und mehr Effizienz gedacht. Er stützte sich auf die Arbeitsplatte, seine Augen leuchteten fast triumphierend in der Dunkelheit, und seine Lippen verzogen sich zu einem schrecklichen, weingetränkten Grinsen. Ein leises, fast zufriedenes Klicken erfüllte den Raum, als seine Hand den Schalter berührte. Die massive Klinge, die im Halbdunkel kaum sichtbar war, begann, lautlos, aber bedrohlich zu surren. Das Geräusch war nicht metallisch oder scharf, sondern tief und summend, wie ein riesiger, hungriger Insekt. Es war das Geräusch, das Brandes nie vergessen würde, selbst wenn er diese Nacht überlebte. Die Mahlzeit war noch nicht vorbei.
15Kapitel 15: Blut auf den Dielen
6Kapitel 6: Die Logistik der Zärtlichkeit
16Kapitel 16: Das eiskalte Rendezvous
7Kapitel 7: Ein Hauch von Blut und Bürokratie
17Kapitel 17: Die letzten Überreste des Hauptgangs
8Kapitel 8: Ein chirurgischer Hauch von Gemütlichkeit
18Kapitel 18: Das Abonnement-Modell
9Kapitel 9: Die Aperitif-Performance
19Kapitel 19: Die Metaphysik des Menüs und die Warteliste
10Kapitel 10: Die Optimierung der Durchblutung
20Kapitel 20: Die letzte Mahlzeit der Daten